Der Andromedanebel. Foto: Boris Štromar
Begegnung mit dem Weltraum
Der Weltraum – ein wahrhaft „großes“ Thema… Bevor ich in meiner Winzigkeit vor diesem gigantischen Begriff kollabiere, will ich versuchen, ein paar Gedanken hierzu zu äußern. Ich möchte das Thema in folgende Bereiche aufteilen:
- Der Weltraum als unser Lebensraum
- Das Bild vom Weltraum im Laufe der menschlichen Geschichte
- Weltraum und Weltraumfahrt als Projektionsflächen der menschlichen Phantasie
Der Weltraum als unser Lebensraum
Wenn wir morgens aufwachen, zur Arbeit gehen und unsere alltäglichen Aufgaben erledigen, ist uns meistens nicht bewusst, dass wir ein bisschen wie Ameisen auf der Oberfläche eines Gesteinsplaneten herumkrabbeln währenddessen sich noch jede Menge Raum um uns herum befindet. Vielleicht haben wir schon einmal im Flugzeug bemerkt, wie der Himmel auch tagsüber sehr dunkel wird, wenn man schräg nach oben schaut. Das kommt daher, weil unser schöner blauer Himmel nur eine sehr dünne Lufthülle um die Erdkugel bildet, und man schon ein bisschen die Schwärze des Alls erahnen kann.
Noch klarer wird die Situation in der Nacht: wir sehen die Sterne – kleine Lichtpunkte, die ziemlich weit weg sind. Und wir sehen den Mond – der Himmelskörper, der der Erde am nächsten steht. Schon der Mond ist ein ganz schönes Stückchen von uns entfernt – über 384.000 km. Selbst mit einem Sportwagen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 200 km/h benötigt man immerhin noch über 80 Tage ununterbrochener Fahrt, um diese Strecke zurückzulegen. Das Licht schafft es in etwas mehr als einer Sekunde.
Der für uns wichtigste Himmelskörper ist die Sonne. Sie sorgt nicht nur dafür, dass es auf der Erde tagsüber hell sondern insgesamt auch angenehm warm ist. Die Sonne ist schon eine ganze Ecke entfernt. Wenn das Licht zum Mond nur eine gute Sekunde benötigt, sind es bis zur Sonne immerhin schon 8 Minuten.
Heute wissen wir, dass die Erde die Sonne umkreist (und nicht umgekehrt). Damit ist sie allerdings nicht allein – es gibt noch einige andere Himmelskörper, die dasselbe tun. Man nennt sie „Planeten“. Das bedeutet „Wanderer“. Nachstehende Grafik zeigt die Planeten unseres Sonnensystems. Die Planeten sind maßstäblich eingezeichnet, und man erkennt, dass die Erde nur ein kleiner Krümel gegenüber manchem planetarischem Schwergewicht ist. Der äußerste Planet ist Neptun, und er hat immerhin schon einen Abstand von etwa 4,5 Milliarden(!) Kilometern von der Sonne. Das Licht zu ihm benötigt mehr als 4 Stunden.

Unser Sonnensystem (Quelle: pixabay.com)
Die Abbildung zeigt die Körper unseres Sonnensystems. Von links nach rechts: Sonne (Ausschnitt), Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun). Die Größenordnungen zueinander sind maßstäblich, die Entfernungen allerdings nicht!)
Der größte Körper in unserem Sonnensystem ist allerdings die Sonne selbst. Für eine Zeit wurde sie als der Mittelpunkt des Weltalls angesehen. Allerdings ist sie nicht so einzigartig, wie wir Erdbewohner vielleicht denken. Sonnen gibt es viele. Die nächste Sonne heißt Alpha Centauri und ist schon sehr weit entfernt – das Licht benötigt etwa 4 Jahre für diese Strecke.
(Einschub: Also, wenn Sie diesen Artikel unbedingt zuende lesen wollen: machen Sie sich schon mal mit dem Begriff „Lichtjahr“ vertraut. Das ist die Entfernung, die das Licht innerhalb eines Jahres zurücklegt. Denn es hat keinen Zweck die noch folgenden Entfernungen wie „Millionen Kilometer“ oder anderen winzigen Maßstäben auszudrücken…)
Einige Sonnen haben Planeten, andere nicht. Die Sonnen sind in größere Strukturen eingebunden, die Galaxien heißen. Auch „unsere“ Sonne ist Bestandteil einer Galaxie. Sie trägt den Namen“Milchstraße“. Sie besteht aus einigen Milliarden Sonnen, wer weiß wie vielen Planeten und noch einer Menge von anderen Himmelskörpern und Objekten, auf die ich nicht eingehen will. Um die Milchstraße einmal zu durchqueren, benötigt das Licht unglaubliche 100.000 Jahre – vielleicht sind es noch mehr…
Wer nun glaubt, am äußersten Ende der Leiter angekommen zu sein, der irrt. Denn auch unsere – zugegebenermaßen riesige – Milchstraße ist Teil einer noch größeren Struktur. Diese Struktur heißt „Lokale Gruppe“. Das sind ein paar Milchstraßen, die sich „in der Nähe“ befinden. Ja, Sie haben richtig vermutet: „in der Nähe“ ist nur noch übertragen gemeint. Immerhin hat diese „lokale“ Gruppe einen Durchmesser von 5 bis 8 Millionen Lichtjahren. Um Minderwertigkeitskomplexen vorzubeugen: unsere „Milchstraße“ ist immerhin die zweitgrößte Galaxie der lokalen Gruppe – übertroffen wird sie größenmäßig nur noch von der Andromedagalaxie (siehe Foto am Anfang der Seite).
Unsere „lokale Gruppe“ – also diese Ansammlung von Galaxien – gehört zum so genannten „Virgo Superhaufen“ mit etwa 150 Millionen Lichtjahren, und gehört zu einer Struktur, die „Laniakea“ genannt wird – einer Monsterstruktur von etwa 500 Millionen Lichtjahren Durchmesser. Und an dieser Stelle enden so langsam die Ortsbezeichnungen, die unseren Lebensort mit Namen belegen können.
Das Bild vom Weltraum im Laufe der menschlichen Geschichte
Wann fing der Mensch an, sich für das Weltall zu interessieren? Wenn man es genau nimmt, eigentlich von Anfang seiner Geschichte an. Allerdings nur indirekt: ihn interessierte die große leuchtende Scheibe, die täglich über den Himmel wanderte und ihm die Umgebung erhellte. Schon den ersten Menschen war klar, dass diese Scheibe sehr wichtig war, so dass sie in einigen Kulturen als Gott verehrt wurde.
Auch der Mond dürfte bald die Aufmerksamkeit der Menschen erregt und die Frage aufgeworfen haben, warum er sich in seinem Aussehen fortwährend ändert in einem Zyklus, der etwa 28 Tage dauert. Er war ein ausgezeichnetes Mittel zur Messung von größeren Zeitabständen, also den Monaten.
Durch die Kombination von Sonne und Mond konnte man schon ziemlich gut eine Einschätzung der Jahreszeiten vornehmen – und mit der Wandlung des Menschen vom Jäger zum Bauern wurde es zunehmend wichtiger, die Jahreszeiten und damit auch die geeigneten Zeiten für Saat und Ernte zu bestimmen.
Alle anderen astronomischen Objekte, die man von der Erde aus betrachten kann, erscheinen zunächst einmal deutlich unspektakulärer – vor allem daher, weil sie schon mal deutlich kleiner sind. Meistens handelt es sich um kleine Lichtpunkte, die wir „Sterne“ nennen.
Allerdings fallen dem aufmerksamen Betrachter des Sternenhimmels einige Merkwürdigkeiten auf: zum einen sind im Laufe des Jahres immer wieder etwas andere Bereiche des Sternenhimmels sichtbar, und zum anderen scheint es zwei Sorten von Sternen zu geben: die erste Sorte Sterne scheint wie festgenagelt am Himmel zu stehen, ihre Position zueinander ändert sich nicht. Sie sind scheinbar an der Himmelskuppel „fixiert“ und werden daher „Fixsterne“ genannt. Die menschliche Fantasie hat die hellsten dieser Sterne mit imaginären Linien verbunden und sich Bilder hierzu ausgedacht – die sogenannten „Stern-Bilder“.
Dann aber gibt es ein paar Sterne, die sich nicht an irgendeine Fixierung halten wollen. Wenn man sie einige Nächte hintereinander beobachtet, stellt man fest, dass sie ihre Position gegenüber den restlichen Sternen immer wieder verändern – sie „wandern“ über den Himmel. Das sind unsere Planeten.
Einer der meistbesungenen Planeten ist der so genannte „Morgenstern“. Ein berühmter deutscher Dichter trägt seinen Namen, und aus der Kirche kennen vielleicht einige das Lied „Wie schön leuchtet der Morgenstern“.
Beim Morgenstern handelt es sich um den Planeten Venus, der sich stets in Sonnennähe aufhält. Wenn man also gegen Morgen die Venus sieht, kann man davon ausgehen, dass die Sonne bald hinterher kommt. (Übrigens ist die Venus auch der „Abendstern“ – es kommt immer auf die relative Stellung von Sonne, Erde und Venus an, wie der Planet am Himmel erscheint.)
Eine Zeit lang gab es etwa folgendes Weltbild: die Erde befindet sich im Mittelpunkt, Sonne und Mond umkreisen die Erde, ebenso die Planeten, und weit draußen gibt es eine Art schwarze Tapete, auf der die Fixsterne aufgemalt sind. Oder sind es nur Löcher in der Tapete, durch die das Himmels- bzw. Höllenfeuer hindurchscheint…?
Mit den Planetenbahnen war es übrigens auch eine unbefriedigende Sache: anscheinend bewegten sie sich nicht auf vollkommenen Kreisbahnen um die Erde sondern einige Planeten (besonders der Mars) zogen seltsame Schleifen. Wenn der Kreis aber die vollkommenste aller Bewegungen ist und Gott als Schöpfer das Weltall vollkommen erschaffen hatte, wie konnte ihm der unglaubliche Lapsus widerfahren sein und den Mars auf eine derart unvollkommene Bahn zu schicken? Ein paar Astronomen versuchten, das Weltbild zu retten, indem sie die Schleifen als eine Kombination von Kreisen zu erklären suchten, aber eine einfache und damit elegante Lösung des Problems konnten sie nicht liefern.
Mit der Entdeckung des Fernrohrs und der Möglichkeit, den Sternenhimmel viel genauer zu betrachten kam das Weltbild mit einer Erde im Mittelpunkt zu Fall. Ersetzt wurde es durch das so genannte „heliozentrische System“: Die Sonne steht im Zentrum des Weltalls und wird von Planeten umkreist – unter anderem von der Erde. Weit draußen befinden sich unbeweglich die Fixsterne.
Obwohl dieses Weltbild schon viel besser die Realität (so wie wir sie heute begreifen) darstellt, musste auch diese Theorie noch viele Änderungen und Anpassungen durchlaufen. Die Geschichte der Wissenschaft (Mathematik, Physik aber auch Chemie) hat immer wieder unser Bild vom Kosmos beeinflusst und entwickelt.
Heute wissen wir: die Sonne steht zwar im Zentrum des Planetensystems aber nicht im Zentrum des Weltalls. Schuld daran ist Alber Einstein. Spätestens seit seiner Relativitätstheorie hat der Begriff „Zentrum“ viel von seinem Glanz eingebüßt. Fakt ist, dass weder Erde noch Sonne sich in einem Ort befinden, der durch irgendetwas hervorgehoben wäre und den Begriff „Zentrum“ rechtfertigen würde.
Auch der Begriff „Fixstern“ hat leider den Glanz seiner Unverrückbarkeit eingebüßt. Während sich die Erde um die Sonne bewegt, können Astronomen mit guten Teleskopen feststellen, dass sich die „Fix“-Sterne gegeneinander verschieben. Sie sind also nicht auf eine Tapete aufgemalt sondern sind Sonnen, die sich in unterschiedlichen Abständen von der Erde befinden. Auch stehen sie nicht fest, sondern ziehen sich gegenseitig an und befinden sich in steter Bewegung. (Aufgrund der großen Entfernung bemerken wir es allerdings nicht.)
Inzwischen wissen wir, dass Erde und Sonne sich in einer Galaxie gemeinsam mit vielen ähnlichen Sonnen und Planetensystemen befinden und dass es viele Galaxien gibt, die sich wie Schlieren oder Spinnfäden („Filamente“) durch das beobachtbare Universum ziehen.
Wir wissen, dass sich das Universum ausdehnt und vermuten, dass es einmal aus einem Punkt geboren wurde. Über ein „vor dem Urknall“ und ein „nach dem Ende des Universums“ können wir nur spekulieren. Wir glauben, dass es neben unserer Materie noch andere Formen geben müssten – aber hier geraten wir langsam in einen Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Glaube, warum ich an dieser Stelle ende.
Weltraum und Weltraumfahrt als Projektionsflächen der menschlichen Fantasie
Der Fernseher als Tor zur Welt
Der erste Fernseher, an den ich mich zuhause erinnern war, war ein Schwarz-Weiß-Gerät. Der Fernseher hatte noch keine Stationstasten, bei denen man die voreingestellten Programme wählen konnte sondern ein Drehrad, mit dessen Hilfe man das Frequenzband auf Fernsehsignale durchsuchen musste. An so etwas wie „Fernbedienung“ war noch überhaupt nicht zu denken. Wir konnten nur vier Programme empfangen: ARD, ZDF, „das Dritte“ und „Ostzone“ – so hieß das damals bei uns.
Eines Tages sah ich mit meinen Eltern etwas in den Nachrichten, was ich überhaupt nicht verstand. Es war eine total verwackelte Aufnahme einer Rakete, die durch den Himmel flog, und die (nach Aussage meiner Eltern) einen Menschen in einer „Raumkapsel“ durch den Weltraum transportierte. Ich konnte mir das überhaupt nicht richtig vorstellen und löcherte meine Eltern mit Fragen, die sie mir aber nicht zu meiner Zufriedenheit beantworten konnten. Ich wusste nur, dass ich dieses Thema ungeheuer spannend und interessant fand.
Raumpatrouille Orion
1966 gab es eine siebenteilige Serie über eine fliegende Untertasse, die die Weiten des Weltalls bereiste und deren Besatzung sehr spannende (und damals auch unheimliche) Abenteuer durchlebte. Ich wollte diese Serie unbedingt anschauen, und obwohl es hieß, dass dies erst für Kinder ab 10 Jahren geeignet wäre und obwohl meine Eltern mich warnten, dass ich danach bestimmt nicht schlafen könne, durfte ich die Abenteuer mit anschauen. Übrigens: was das mit dem Nicht-Schlafen-Können betraf, behielten meine Eltern Recht. Es war auch echt zu aufregend, was meine Helden dort erlebten…!
Noch heute finde ich, dass die Episoden echt gut gelungen waren und wirklich Spannung aufbauen konnten, obwohl sich heute jeder über die „Bügeleisen“ oder „Duschköpfe“ in der Filmausstattung lustig macht. Ich will dagegenhalten: wenn Kinder phantasievoll spielen, kann aus einer Gabel ein Laserschwert und aus ein paar Legosteinen ein Raumschiff werden – schade um die Fantasie der Erwachsenen, wenn sie weiterhin nur eine Gabel und ein paar Legosteine sehen…!
Wenn etwas aus meiner Sicht kritikwürdig wäre, dann war es der allgemeine naturwissenschaftliche Hintergrund. „Planeten“, „Galaxien“, „Supernova“ und andere Begriffe wurden beliebig benutzt und bunt durcheinandergeworfen – das hätte man selbst im Jahr 1966 schon besser gewusst…!
Trotzdem: „Raumpatrouille Orion“ bleibt für mich eine total kultige Filmproduktion, deren Anschauen sich auf alle Fälle lohnt!
